Ratgeber · SAP-Integration

SAP PI/PO auf die Integration Suite migrieren

Die Mainstream-Wartung für SAP PI/PO endet am 31.12.2027. Dieser Leitfaden erklärt, was die SAP Integration Suite ist, welche Migrations-Optionen es gibt, wie der Umstieg in sechs Schritten abläuft – und wo die typischen Stolpersteine liegen.

Von Aleksandar Prvulovic · Geschäftsführer & SAP-Berater, AP IT · Veröffentlicht 21. Juni 2026 · Lesezeit ~6 Min.

Das Wichtigste in Kürze

SAP PI/PO (Process Integration/Orchestration, Release 7.5) läuft Ende 2027 aus der Mainstream-Wartung, optionale erweiterte Wartung bis Ende 2030. Nachfolger ist die SAP Integration Suite auf der SAP Business Technology Platform (BTP). Ein Teil der bestehenden Schnittstellen lässt sich mit dem Migration Tooling werkzeuggestützt übernehmen; individuelle Adapter, Mappings und Java-Mappings müssen meist neu gebaut werden. Je nach Schnittstellenzahl dauert eine Migration mehrere Monate bis über ein Jahr – SAP empfiehlt, früh zu starten, um vor dem Wartungsende fertig zu sein. Migrieren Sie in Wellen statt Big Bang, beginnen Sie mit unkritischen Schnittstellen und nutzen Sie den Umstieg, um EDI und die verpflichtende E-Rechnung gleich auf der neuen Plattform zu modernisieren.

Was ist SAP PI/PO – und was die Integration Suite?

SAP PI/PO ist die klassische On-Premise-Middleware von SAP (Process Integration bzw. Process Orchestration auf NetWeaver-Basis). Sie verbindet SAP- und Nicht-SAP-Systeme über Schnittstellen, Mappings und Adapter – häufig für EDI, B2B-Datenaustausch und die E-Rechnung.

Die SAP Integration Suite ist der cloudbasierte Nachfolger – eine Integrationsplattform (iPaaS) auf der SAP Business Technology Platform (BTP). Sie bündelt Cloud Integration, API Management, EDI-Funktionen sowie den Integration Advisor und das Migration/Integration Assessment. Statt eigener Server pflegen Sie eine gemanagte Plattform, die SAP laufend weiterentwickelt.

Warum müssen Sie migrieren? (Deadline 31.12.2027)

Mit dem Ende der Mainstream-Wartung am 31. Dezember 2027 liefert SAP für Process Orchestration keine Standard-Korrekturen und Sicherheits-Patches mehr im gewohnten Umfang. Eine kostenpflichtige erweiterte Wartung ist in der Regel bis 2030 möglich – sie verschiebt das Problem aber nur und kostet zusätzlich. Wer geschäftskritische Schnittstellen (EDI, Bestellabwicklung, E-Rechnung) ohne Sicherheits- und Compliance-Risiko weiterbetreiben will, sollte die Migration frühzeitig einplanen, statt sie 2027 unter Zeitdruck zu erzwingen.

Welche Migrations-Optionen gibt es?

Es gibt nicht den einen Weg. Drei Optionen sind üblich – meist in Kombination:

OptionVorgehenPasst, wenn …
WerkzeuggestütztMigration Assessment + Migration Tooling übernehmen Standard-iFlows weitgehend automatisiert.viele standardnahe Schnittstellen, wenig Custom-Logik.
Greenfield / NeubauSchnittstellen werden auf der Integration Suite neu konzipiert und gebaut.alte, gewachsene Landschaft; Sie wollen technische Schulden loswerden.
Hybrid / in WellenStandard werkzeuggestützt, Komplexes neu – schrittweise nach Priorität.große Landschaft; Parallelbetrieb nötig, kein Big-Bang.

Wie läuft eine PI/PO-Migration ab? (6 Schritte)

  1. Assessment & Inventur. Alle Schnittstellen, Adapter, Mappings und Abhängigkeiten erfassen – z. B. mit dem Migration Assessment der Integration Suite. Ergebnis: Aufwands- und Komplexitätsschätzung.
  2. Zielarchitektur festlegen. Welche Szenarien gehören in die Cloud Integration, was über API Management, was bleibt (vorerst) hybrid? Namens- und Sicherheitskonzept definieren.
  3. Priorisieren & in Wellen schneiden. Nach Geschäftskritikalität und Komplexität bündeln – nicht alles auf einmal.
  4. Migrieren & nachbauen. Standard-iFlows werkzeuggestützt übernehmen, individuelle Adapter/Mappings/BPM-Prozesse neu bauen.
  5. Testen. Funktions-, Last- und End-to-End-Tests je Welle; Fokus auf EDI-Partner und E-Rechnung.
  6. Cutover & Betrieb. Kontrollierter Go-live je Welle, Monitoring aufsetzen – auf Wunsch laufender Betrieb über Application Management (AMS).

Wie lange dauert es und was kostet es?

Eine seriöse Pauschale gibt es nicht – die Dauer skaliert mit Anzahl und Komplexität der Schnittstellen. Treiber sind: Anteil an Standard- vs. Custom-iFlows, EDI-/B2B-Partner, individuelle Adapter-Module, Mapping-Komplexität und die Zahl der Quell-/Zielsysteme. Kleine Landschaften mit wenigen Standard-Schnittstellen sind in Wochen machbar; große Landschaften mit Hunderten Schnittstellen laufen über mehrere Monate in Wellen. Ein Assessment vorab macht Aufwand und Budget belastbar planbar – statt im Projekt überrascht zu werden.

Häufige Stolpersteine

Häufige Fragen

Bis wann muss ich von SAP PI/PO migrieren?
Die Mainstream-Wartung für SAP Process Orchestration endet am 31.12.2027; erweiterte Wartung ist in der Regel bis 2030 (kostenpflichtig) möglich. Frühzeitig planen lohnt sich.
Was ist der Nachfolger von SAP PI/PO?
Die SAP Integration Suite – die cloudbasierte Integrationsplattform (iPaaS) auf der SAP BTP, inkl. Cloud Integration, API Management und EDI.
Lassen sich PI/PO-Schnittstellen automatisch migrieren?
Teilweise: Migration Assessment und Migration Tooling übernehmen viele Standard-iFlows; Custom-Adapter, komplexe Mappings und BPM-Prozesse müssen meist neu gebaut werden.
Wie lange dauert eine PI/PO-Migration?
Je nach Anzahl/Komplexität der Schnittstellen – von Wochen (kleine Landschaft) bis zu mehreren Monaten in Wellen (große Landschaft mit EDI und Custom-Mappings).

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Offizielle Quellen

Externe Links zu den maßgeblichen Originalquellen. Stand der Recherche: Juni 2026.